Insektensommer 2022: Auf der Klippe krabbelnd

ambulant eifel Insekten

Es gibt allein hierzulande etwa 30.000 Arten. Trotzdem hinterlassen sie beim Menschen einen flüchtigeren Eindruck als zum Beispiel Wolf, Luchs oder Kranich. Wenn sie wahrgenommen werden, dann häufig als störende oder lästige Krabbeltiere oder Gartenschädlinge. Zu Unrecht! Denn Insekten sind eine tragende Säule des Ökosystems. In den kommenden Tagen lohnt es sich besonders, beim Sonnenbaden mal ganz genau hinzuschauen.

Langsamer Tod

Der Begriff vom großen „Insektensterben“ ist vielen von uns schon begegnet. Doch seine weitreichenden Konsequenzen sind uns nicht unbedingt präsent, denn sie machen sich erst nach und nach bemerkbar. Etwa, wenn Vögel, Säugetiere, Amphibien oder Reptilien sich selbst oder ihren Nachwuchs nicht mehr ausreichend mit Insekten versorgen können. Wenn die Bestäubung, auf die rund 90 Prozent aller Pflanzenarten angewiesen sind, nicht mehr gewährleistet ist. Wenn sich „Schädlinge“ ausbreiten, weil ihre Zahl nicht mehr von nützlichen Regulatoren aus der Insektenwelt eingedämmt wird.

Fakt ist: Auch hierzulande geht es den Insektenbeständen schlecht. Im Rahmen der Krefelder Studie wurde in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse festgestellt. Fast die Hälfte der Insektenarten, die in der Roten Liste erwähnt werden, sind mindestens bestandsgefährdet, viele bereits ausgestorben. Tendenz steigend. Allein 50 Prozent aller Wildbienen-Arten und 87 Prozent aller Wasserkäfer-Arten sind in ihrem Bestand gefährdet. Im Randecker Maar haben Ökologen aufgehört, Schwebfliegen zu erfassen, weil das nach einem Rückgang um rund 77 Prozent keinen Sinn mehr ergibt. Nur einige Zahlen, die den Ernst der Lage verdeutlichen.

Gründe für das Insektensterben sind neben dem übermäßigen Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft – Deutschland gehört zu den EU-Mitgliedstaaten, die am meisten Pestizide verbrauchen – auch Überdüngung, die Zerstörung von Lebensraum, fehlende Strukturen wie Feldgehölze, Acker- und Gewässerrandstreifen, Monokulturen und der Klimawandel.

Zeit, aktiv zu werden!

Wer nicht nur auf dem Balkon oder im Garten etwas Gutes für die Insektenwelt tun möchte, hat dazu vom 5. bis zum 14. August 2022 wieder die Gelegenheit. Beim großen Insektensommer ruft der NABU dazu auf, sich für eine Stunde an einem sonnigen, eher windstillen Tag einen schönen Platz zu suchen – im Garten, im Wald, auf der Wiese oder am Wasser – und in einem Umkreis von etwa zehn Metern die Insekten zu erfassen.

Alles was man braucht:
– Lupe
– Bestimmungsbuch
– Zählhilfe vom NABU

Weitere Infos zur Aktion, App, Insekten-Quiz und mehr finden Sie unter
https://insektentrainer.nabu.de