Eine kurze Geschichte der Weiberfastnacht

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Ausgelöst durch die US-amerikanische #MeToo-Debatte machen sich auch hierzulande immer mehr Frauen gegen moderne Formen von Unterdrückung stark. Jahrhundertelang wäre so etwas nicht möglich gewesen. Zumindest an 364 Tagen im Jahr nicht. Ein einziger Tag wurde der Frauen-Power schon im Mittelalter eingeräumt. Kurz vor der diesjährigen Weiberfastnacht werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte des nicht nur in der Eifel verwurzelten Brauchtums.

 

Außer Rand und Band

Die Karnevalszeit bzw. Fastnacht ist untrennbar mit der Fastenzeit verbunden, die gläubige Christen im mittelalterlich-katholischen Europa zur 40-tägigen Enthaltsamkeit verpflichtete. Die Tage vor dem Aschermittwoch wurden genutzt, um sich noch einmal gehen zu lassen und – mit dem Segen der Kirche – die gängigen Regeln auf dem Kopf zu stellen. Ob sich nun das gemeine Volk über den Klerus lustig machten, Narren für bissige Unterhaltung sorgten oder dem Alkohol über Gebühr zugesprochen wurde – Hauptsache, es war einmal so, wie es eigentlich nicht sein durfte.

Auch der Status der Frau als zurückhaltendes, treues und fürsorgliches Geschöpf wurde zumindest für ein paar Stunden außer Kraft gesetzt. Einmal im Jahr hieß es vielerorts „Frauen an die Macht!“. Im Rheinland setzte sich der Donnerstag vor dem Aschermittwoch als Tag der Weiberfastnacht durch. Dabei ging es nicht zuletzt in den Klöstern hoch her. Überliefert ist beispielsweise eine besonders ausufernde Feier aus dem Jahr 1729 als sich die Nonnen eines Benediktinerklosters in weltliche Schale schmissen und ein wildes nächtliches Fest veranstalteten.

 

Auftakt für den Straßenkarneval

Doch nicht nur in geschlossenen Räumen durften die Frauen sich austoben, auch die Straße wurde von ihnen erobert. Auf dem Alter Markt in Köln beispielsweise rissen sich die (Markt-)Frauen schon im 18. Jahrhundert gegenseitig Hüte und Tücher vom Kopf, um damit symbolisch gegen das „Unter-die-Haube-Bringen“ zu wehren. In Bonn begannen Wäscherinnen im 19. Jahrhundert, statt Wäsche für ein paar Stunden Männer in die Mangel zu nehmen. Die Beueler Weiber zelebrieren diesen Brauch bis heute. Ihre gewählte „Wäscheprinzessin“ übt jedes Jahr den Sturm auf das örtliche Rathaus. Häufig wird diese 1824 eingeführte Tradition als Startschuss für die moderne Weiberfastnacht angesehen. Der Brauch, Männern die Krawatte abzuschneiden, ist ein vergleichsweise junger. Diese symbolische „Entmannung“ trat erst Mitte des 20. Jahrhunderts von Köln aus ihren Siegeszug an.